Un­ter­halt des be­treu­en­den El­tern­teils

ak­tua­li­siert am 31.01.24        von Jen­ni­fer Reh       Fa­mi­li­en­recht, Ge­org-Au­gust-Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen

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Was er­war­tet Sie auf die­ser Sei­te?

Hier fin­den Sie Ant­wor­ten auf die fol­gen­den Fra­gen:


  1. Was ist der Betreuungsunterhalt und wem steht dieser zu?
  2. Wie lange besteht ein Anspruch auf Betreuungsunterhalt?
  3. In welcher Höhe ist Betreuungsunterhalt zu zahlen?
  4. Wie wirkt sich eine neue Partnerschaft des hauptbetreuenden Elternteils aus?
  5. Besteht auch bei einem Wechselmodell ein Anspruch auf Betreuungsunterhalt?

Sie er­hal­ten hier einen ers­ten Über­blick über die Rechts­la­ge. Die­ser kann je­doch ei­ne an­walt­li­che Be­ra­tung im kon­kre­ten Ein­zel­fall nicht er­set­zen.

/ Al­le In­for­ma­tio­nen auf die­ser Sei­te gel­ten glei­cher­ma­ßen für die ein­ge­tra­ge­ne Le­ben­s­part­ner­schaft.

Was ist der Betreuungsunterhalt und wem steht dieser zu?

Zweck des Be­treu­ungs­un­ter­halts

Der Be­treu­ungs­un­ter­halt soll ei­ne ge­rech­te Las­ten­ver­tei­lung zwi­schen den ge­trennt­le­ben­den El­tern be­wir­ken, für den Fall, dass der haupt­be­treu­en­de El­tern­teil we­gen der Be­treu­ung des ge­mein­sa­men Kin­des nicht oder nur ein­ge­schränkt er­werbs­tä­tig sein kann, wäh­rend der an­de­re El­tern­teil sei­nen Be­ruf in der Re­gel oh­ne Ein­schrän­kun­gen aus­üben kann. Der Un­ter­halt ist da­bei mo­nat­lich im Vor­aus zu zah­len.

Das Ge­setz dif­fe­ren­ziert zwi­schen dem Be­treu­ungs­un­ter­halt nach ei­ner Schei­dung (§ 1570 BGB ) und dem Be­treu­ungs­un­ter­halt bei nicht mit­ein­an­der ver­hei­ra­te­ten El­tern (§ 1615l Ab­satz 2 bis 4 BGB ). Bei den Vor­aus­set­zun­gen und den Rechts­fol­gen der bei­den Un­ter­halts­an­sprü­che gibt es Ge­mein­sam­kei­ten und Un­ter­schie­de, die im Fol­gen­den dar­ge­stellt wer­den. Der Be­treu­ungs­un­ter­halt nach ei­ner Schei­dung ist ei­ne Form des nach­e­he­li­chen Un­ter­halts, so­dass für die­sen auch die all­ge­mei­nen Aus­füh­run­gen zum nach­e­he­li­chen Un­ter­halt gel­ten. Der nach­e­he­li­che Un­ter­halt wird auf ei­ner ei­ge­nen Sei­te aus­führ­lich be­han­delt.

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Ver­hält­nis zwi­schen Be­treu­ungs- und Kin­des­un­ter­halt

Der Be­treu­ungs­un­ter­halt be­steht ne­ben dem An­spruch des Kin­des auf Kin­des­un­ter­halt. Mit dem Kin­des­un­ter­halt soll die Ver­sor­gung des Kin­des si­cher­ge­stellt wer­den, wäh­rend mit dem Be­treu­ungs­un­ter­halt der ei­ge­ne Le­bens­be­darf des haupt­be­treu­en­den El­tern­teils ge­deckt wird.

Vor­aus­set­zun­gen des Be­treu­ungs­un­ter­halts

Ein An­spruch des haupt­be­treu­en­den El­tern­teils auf Be­treu­ungs­un­ter­halt be­steht, wenn…
  1. ein ge­mein­sa­mes Kind be­treu­ungs­be­dürf­tig ist,
  2. die­ses Kind tat­säch­lich be­treut wird und der haupt­be­treu­en­de El­tern­teil des­halb nicht (voll) er­werbs­tä­tig ist 

Bei El­tern, die mit­ein­an­der ver­hei­ra­tet wa­ren, be­steht der An­spruch erst ab der Schei­dung. Für den Zeit­raum zwi­schen Tren­nung und Schei­dung kann un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ein An­spruch auf Trennungsunterhalt be­ste­hen. 

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Der Be­treu­ungs­un­ter­halt wird nur für die Pfle­ge und Er­zie­hung ge­mein­sa­mer Kin­der ge­währt.
Da­zu zäh­len:

  • Kin­der, die in der Ehe ge­bo­ren wur­den
  • Kin­der, bei de­nen die Va­ter­schaft an­er­kannt wur­de
  • Kin­der, bei de­nen die Va­ter­schaft ge­richt­lich fest­ge­stellt wur­de
  • Kin­der, die ge­mein­sam ad­op­tiert wur­den

Be­treu­ungs­un­ter­halt für die Be­treu­ung von Stief­kin­dern kommt nicht in Be­tracht. Hier kann aber im Ein­zel­fall ein nachehelicher Unterhaltsanspruch aus Billigkeitsgründen be­ste­hen. An­ders ist dies, wenn das Stief­kind vom haupt­be­treu­en­den El­tern­teil ad­op­tiert wur­de (so­ge­nann­te Stief­kin­dad­op­ti­on). Dann han­delt es sich im recht­li­chen Sin­ne um ein ge­mein­sa­mes Kind, für des­sen Pfle­ge und Er­zie­hung Be­treu­ungs­un­ter­halt ver­langt wer­den kann.

Wie lange besteht ein Anspruch auf Betreuungsunterhalt?

Grund­satz: Be­treu­ungs­un­ter­halt für die ers­ten drei Jah­re nach der Ge­burt des Kin­des

In den ers­ten drei Le­bens­jah­re gilt das ge­mein­sa­me Kind nach dem Ge­setz stets als be­treu­ungs­be­dürf­tig. Wäh­rend der ers­ten drei Le­bens­jah­ren des Kin­des ist der haupt­be­treu­en­de El­tern­teil da­her nicht zur Auf­nah­me ei­ner Er­werbs­tä­tig­keit ver­pflich­tet, son­dern kann sich ganz der Er­zie­hung und Pfle­ge des ge­mein­sa­men Kin­des wid­men und für die­se Zeit­span­ne einen An­spruch auf Be­treu­ungs­un­ter­halt gel­tend ma­chen. Ar­bei­tet der haupt­be­treu­en­de El­tern­teil trotz­dem und gibt das Kind in die Ki­ta oder zu ei­ner Ta­ges­pfle­ge­per­son, hat dies in der Re­gel kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den Be­treu­ungs­un­ter­halt. Der Un­ter­halts­an­spruch be­steht auch in die­sem Fall für die ers­ten drei Le­bens­jah­re des Kin­des grund­sätz­lich in vol­ler Hö­he (so­ge­nann­ter Ba­sis­un­ter­halt).

Ein Mann und ein Kleinkind bauen einen Turm aus Bauklötzen. Um sie herum liegen weitere verschiedene Spielsachen.

Betreuungsunterhalt für Kinder unter drei Jahren

Aus­nah­me: Be­treu­ungs­un­ter­halt über den drit­ten Kin­der­ge­burts­tag hin­aus


Bei Kin­dern, die äl­ter als drei Jah­re sind, hat die Be­treu­ung in ei­ner Be­treu­ungs­ein­rich­tung grund­sätz­lich Vor­rang vor der per­sön­li­chen Be­treu­ung durch einen El­tern­teil. Da ab dem drit­ten Ge­burts­tag des Kin­des ein An­spruch auf einen Kin­der­gar­ten­platz be­steht (§ 24 Ab­satz 3 SGB VIII ), ist der haupt­be­treu­en­de El­tern­teil grund­sätz­lich da­zu an­ge­hal­ten, das Kind ab die­sem Al­ter in ei­ne Ki­ta oder an­de­re Be­treu­ungs­ein­rich­tung zu ge­ben und ei­ner Er­werbs­tä­tig­keit nach­zu­ge­hen, um sich selbst fi­nan­zi­ell zu ver­sor­gen. Aus­nahms­wei­se kann Be­treu­ungs­un­ter­halt über das drit­te Le­bens­jahr des Kin­des hin­aus ver­langt wer­den, so­weit dies der Bil­lig­keit ent­spricht. Dies kann auf­grund der in­di­vi­du­el­len Be­treu­ungs­be­dürf­tig­keit des Kin­des (so­ge­nann­te kind­be­zo­ge­ne Grün­de) oder aus el­tern­be­zo­ge­nen Grün­den der Fall sein. Bei voll­jäh­ri­gen Kin­dern kommt ein An­spruch auf Be­treu­ungs­un­ter­halt nur sel­ten in Be­tracht.

Ein An­spruch auf Be­treu­ungs­un­ter­halt bei Kin­dern nach dem drit­ten Le­bens­jahr kommt in Be­tracht, wenn das Kind in be­son­de­rem Ma­ße be­treu­ungs­be­dürf­tig ist. Die Be­treu­ungs­be­dürf­tig­keit ist für je­des Kind in­di­vi­du­ell zu be­stim­men. Maß­geb­lich sind der Ge­sund­heits­zu­stand, Ent­wick­lungs­stand so­wie die per­sön­li­chen Be­ga­bun­gen und Nei­gun­gen. Ei­ne be­son­de­re Be­treu­ungs­be­dürf­tig­keit kann auch noch nach Ein­tritt der Voll­jäh­rig­keit be­ste­hen, wenn das Kind pfle­ge­be­dürf­tig ist.
Ent­schei­dend ist, ob die per­sön­li­che Be­treu­ung durch einen El­tern­teil not­wen­dig ist oder durch Kin­der­gar­ten, Schu­le und or­ga­ni­sier­te Nach­mit­tags­be­treu­ung ge­nau­so ge­währ­leis­tet wer­den kann.

Ei­ne be­son­de­re Be­treu­ungs­be­dürf­tig­keit be­steht bei­spiels­wei­se, wenn …

das Kind ei­ne Be­hin­de­rung hat oder chro­nisch krank ist
Ent­wick­lungs­stö­run­gen vor­lie­gen
ein be­son­de­rer För­de­rungs­be­darf be­steht
 au­ßer­schu­li­sche Ak­ti­vi­tä­ten des Kin­des Fahr­diens­te er­for­der­lich ma­chen

Auch el­tern­be­zo­ge­ne Grün­de kön­nen da­zu füh­ren, dass Be­treu­ungs­un­ter­halt für die Be­treu­ung äl­te­rer Kin­der zu ge­wäh­ren ist. El­tern­be­zo­gen sind die­se Grün­de, weil sie sich auf die El­tern­be­zie­hung oder die Per­son des haupt­be­treu­en­den El­tern­teils be­zie­hen. Die Grün­de müs­sen in der Re­gel zum Zeit­punkt der Tren­nung oder zum drit­ten Ge­burts­tag des Kin­des vor­lie­gen, da­mit (wei­ter­hin) ein Un­ter­halts­an­spruch be­steht. Zwei wich­ti­ge Fäl­le sind zu un­ter­schei­den:

  • Ver­trau­en auf ge­mein­sa­me Ge­stal­tung von Kin­der­be­treu­ung und Er­werbs­tä­tig­keit wäh­rend des fa­mi­li­ären Zu­sam­men­le­bens
    Dem haupt­be­treu­en­den El­tern­teil kann für ei­ne Über­gangs­zeit nach der Tren­nung bzw. Schei­dung ein Un­ter­halts­an­spruch zu­ge­stan­den wer­den, um ei­ne an­ge­mes­se­ne Ar­beits­stel­le zu fin­den. Bei der Fest­le­gung der An­spruchs­dau­er sind Aus­bil­dungs­stand, Dau­er der Le­bens­ge­mein­schaft und An­zahl der Kin­der zu be­rück­sich­ti­gen. Die­ser An­spruch schützt das Ver­trau­en in die ge­leb­te Rol­len­ver­tei­lung vor der Tren­nung, wenn die­se auf ei­nem ge­mein­sa­men Le­bens­ent­wurf be­ruh­te.  Bei ver­hei­ra­te­ten El­tern wird stets an­ge­nom­men, dass ein ge­mein­sa­mer Le­bens­ent­wurf vor­liegt, wäh­rend bei nicht mit­ein­an­der ver­hei­ra­te­ten El­tern die ge­mein­sa­me Le­bens­pla­nung und ein dar­auf be­grün­de­tes Ver­trau­en vom haupt­be­treu­en­den El­tern­teil nach­ge­wie­sen wer­den müs­sen.
  • Un­zu­mut­ba­re Dop­pel­be­las­tung des haupt­be­treu­en­den El­tern­teils
    Trotz Fremd­be­treu­ung des Kin­des kann der haupt­be­treu­en­de El­tern­teil im Ein­zel­fall ei­ner un­zu­mut­ba­ren Dop­pel­be­las­tung durch ver­blei­ben­de Be­treu­ungs­leis­tun­gen in den Mor­gen- und Abend­stun­den, Haus­halts­füh­rung und Voll­zeit­tä­tig­keit aus­ge­setzt sein. Der Be­treu­ungs­auf­wand ist da­bei in­di­vi­du­ell vom Al­ter und Ent­wick­lungs­stand so­wie von der An­zahl der Kin­der ab­hän­gig. Be­steht ei­ne sol­che un­zu­mut­ba­re Dop­pel­be­las­tung, kann vom haupt­be­treu­en­den El­tern­teil re­gel­mä­ßig nur ei­ne re­du­zier­te Er­werbs­tä­tig­keit er­war­tet wer­den. In die­sen Fäl­len be­steht ein An­spruch auf Be­treu­ungs­un­ter­halt in der Hö­he, in der der Le­bens­be­darf durch ei­ge­ne Er­werbs­tä­tig­keit nicht ge­deckt wer­den kann.

Der An­spruch auf Un­ter­halt we­gen der Be­treu­ung äl­te­rer Kind kann je­der­zeit neu ent­ste­hen (z. B. bei Erkrankung des Kindes), wie­der ­auf­le­ben (z. B. Ganz­tags­fremd­be­treu­ung nicht mehr mög­lich), aber auch ent­fal­len (z. B. Über­gang des Kin­des auf wei­ter­füh­ren­de Schu­le).

Bei­spie­le aus der Recht­spre­chung, in de­nen ei­ne Ver­län­ge­rung des Be­treu­ungs­un­ter­halts über das drit­te Le­bens­jahr des Kin­des hin­aus be­jaht wur­de, fin­den Sie hier:

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In welcher Höhe ist Betreuungsunterhalt zu zahlen?

Be­rech­nungs­schrit­te für den Be­treu­ungs­un­ter­halt

Bei der Be­rech­nung des Be­treu­ungs­un­ter­halts ist zwi­schen dem Be­treu­ungs­un­ter­halt nach ei­ner Schei­dung und dem Be­treu­ungs­un­ter­halt bei nicht mit­ein­an­der ver­hei­ra­te­ten El­tern zu un­ter­schei­den.

Be­treu­ungs­un­ter­halt nach ei­ner Schei­dung

Er­läu­te­run­gen zur Hö­he des Be­treu­ungs­un­ter­halts nach ei­ner Schei­dung fin­den Sie beim nach­e­he­li­chen Un­ter­halt.

MEHR ERFAHREN

Be­treu­ungs­un­ter­halt bei nicht mit­ein­an­der ver­hei­ra­te­ten El­tern

Bei der Be­rech­nung des Be­treu­ungs­un­ter­halts nicht mit­ein­an­der ver­hei­ra­te­ter El­tern er­ge­ben sich ei­ni­ge Ab­wei­chun­gen zum Be­treu­ungs­un­ter­halt nach ei­ner Schei­dung. Die fol­gen­den Aus­füh­run­gen bie­ten ei­ne ers­te Ori­en­tie­rung zur Un­ter­halts­be­rech­nung in drei Schrit­ten.

Pra­xis­-Hin­weis:
Un­ter­halts­ver­ein­ba­rung tref­fen und ti­tu­lie­ren las­sen!

Statt den Be­treu­ungs­un­ter­halt in ei­nem ge­richt­li­chen Ver­fah­ren fest­zu­set­zen, kön­nen Sie die ge­setz­li­che Un­ter­halts­pflicht auch mit an­walt­li­cher Hil­fe in ei­ner Un­ter­halts­ver­ein­ba­rung kon­kre­ti­sie­ren. 
Die Unterhaltsvereinbarung können Sie kostenlos beim Jugendamt titulieren lassen (§ 59 Absatz 1 Nr. 4 SGB VIII ). Dadurch wird die Vereinbarung auch zwangsweise durchsetzbar. 

Die Be­darfs­be­stim­mung er­folgt nach den wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen des haupt­be­treu­en­den El­tern­teils. Maß­geb­lich ist das Ein­kom­men, wel­ches die­ser oh­ne die Ge­burt und die Be­treu­ung des ge­mein­sa­men Kin­des er­zielt hät­te. Es ist so­mit das vor­ge­burt­li­che Ein­kom­men oder die hy­po­the­ti­sche Ein­kom­men­s­ent­wick­lung oh­ne die Ge­burt zu­grun­de zu le­gen. Die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des un­ter­halts­pflich­ti­gen El­tern­teils sind nicht re­le­vant. Als Min­dest­be­trag kann das Exis­tenz­mi­ni­mum in Hö­he von 1.200 € ver­langt wer­den (Stand: 2024).

Maß­geb­li­ches Ein­kom­men des Un­ter­halts­be­rech­tig­ten
Ein­künf­te vor der Ge­burt Le­bens­be­darf wäh­rend Kin­des­be­treu­ung
Ein­kom­men aus Er­werbs­tä­tig­keit in Hö­he des er­ziel­ten Ein­kom­mens vor der Ge­burt
noch im Stu­di­um oder in der Aus­bil­dung in Hö­he des hy­po­the­ti­schen Ein­kom­mens nach dem Ab­schluss
Be­zug von So­zi­al­leis­tun­gen in Hö­he der So­zi­al­leis­tun­gen
kei­ne Ein­künf­te in Hö­he des Exis­tenz­mi­ni­mums (1.200 €, Stand: 2024)

Der haupt­be­treu­en­de El­tern­teil kann nur Un­ter­halt ver­lan­gen, so­weit er sei­nen Un­ter­halts­be­darf nicht selbst de­cken kann. Das be­rei­nig­te Net­to­ein­kom­men des un­ter­halts­be­rech­tig­ten El­tern­teils ist da­her auf sei­nen Un­ter­halts­be­darf an­zu­rech­nen. Hier fin­den Sie ei­ne An­lei­tung zur Er­mitt­lung des be­rei­nig­ten Net­to­ein­kom­mens:

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Kei­ne An­rech­nung von über­ob­li­ga­to­ri­schen Ein­künf­ten


Be­ach­ten Sie je­doch, dass der un­ter­halts­be­rech­tig­te El­tern­teil in den ers­ten drei Le­bens­jah­ren des Kin­des nicht ver­pflich­te­t ist, ei­ner Er­werbs­tä­tig­keit nach­zu­ge­hen und des­halb dar­aus er­wirt­schaf­te­tes Ein­kom­men in der Re­gel nicht an­ge­rech­net wird.

Der un­ter­halts­pflich­ti­ge El­tern­teil muss leis­tungs­fä­hig sein. Das be­deu­tet, dass er den Un­ter­halts­an­spruch oh­ne Ge­fähr­dung sei­nes ei­ge­nen an­ge­mes­se­nen Le­bens­be­darfs er­fül­len kön­nen muss. Ihm muss dies­be­züg­lich ein an­ge­mes­se­ner Selbst­be­halt in Hö­he von 1.600 € bei Er­werbs­tä­tig­keit, an­dern­falls in Hö­he von 1.475 € ver­blei­ben (Stand: 2024). Es ist stets zu prü­fen, ob dem Un­ter­halts­pflich­ti­gen nach Ab­zug des zu zah­len­den Un­ter­halts von sei­nem be­rei­nig­ten Net­to­ein­kom­men ein Be­trag ver­bleibt, der über dem an­ge­mes­se­nen Selbst­be­halt liegt. An­sons­ten ist der Un­ter­halt nur bis zur Hö­he des Selbst­be­halts zu zah­len.

Aber auch dann, wenn der an­ge­mes­se­ne Selbst­be­halt ge­währ­leis­tet ist, soll der Un­ter­halts­pflich­ti­ge nicht mehr als 45 % sei­nes be­rei­nig­ten Net­to­ein­kom­mens zah­len müs­sen. Hier fin­den Sie ei­ne An­lei­tung zur Er­mitt­lung des be­rei­nig­ten Net­to­ein­kom­mens:

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Be­hand­lung so­ge­nann­ter Man­gel­fäl­le

Ist der un­ter­halts­pflich­ti­ge El­tern­teil meh­re­ren Per­so­nen ge­gen­über zum Un­ter­halt ver­pflich­tet und reicht das Ein­kom­men nicht aus, um al­le Un­ter­halts­an­sprü­che zu er­fül­len, liegt ein so­ge­nann­ter Man­gel­fall vor. Wel­cher Un­ter­halts­an­spruch dann vor­ran­gig zu er­fül­len ist, er­fah­ren Sie hier:

MEHR ERFAHREN Ein Paar Hände öffnet einen Geldbeutel, in dem sich nichts befindet außer einer Münze und Spinnweben.

Manchmal reicht das Geld nicht für alle Unterhaltszahlungen aus

Wie wirkt sich eine neue Partnerschaft des hauptbetreuenden Elternteils aus?

Lebt der haupt­be­treu­en­de El­tern­teil in ei­ner neu­en Part­ner­schaft, kann der An­spruch auf Be­treu­ungs­un­ter­halt un­ter Um­stän­den be­schränkt wer­den oder voll­stän­dig ent­fal­len.

Be­schrän­kung des An­spruchs bei neu­er Part­ner­schaft

Lebt der haupt­be­treu­en­de El­tern­teil mit ei­ner neu­en Part­ne­rin oder ei­nem neu­en Part­ner un­ver­hei­ra­tet in ei­ner ver­fes­tig­ten Le­bens­ge­mein­schaft, hat dies in den meis­ten Fäl­len kei­ne Aus­wir­kung auf den Be­treu­ungs­un­ter­halt. Die In­ter­es­sen des ge­mein­sa­men Kin­des sind vor­ran­gig. 

Es kann aber ein fik­ti­ves Ein­kom­men an­ge­setzt wer­den, wenn der haupt­be­treu­en­de El­tern­teil in der neu­en Part­ner­schaft den Haus­halt führt und des­we­gen kei­ner Er­werbs­tä­tig­keit nach­geht. Die­ses fik­ti­ve Ein­kom­men wird dann auf den Un­ter­halts­an­spruch an­ge­rech­net, so­dass sich die Hö­he des Be­treu­ungs­un­ter­halts ent­spre­chend re­du­ziert.

Bild, das symbolisch Regenbogenfamilie mit Partnern unterschiedlicher Hautfarbe zeigt. Ein hellhäutiger Mann mit einem Mädchen im Grundschulalter, geht Hand in Hand, mit einem dunkelhäutigen Mann mit Baby auf dem Arm. Neben ihm geht ein kleiner Junge.

Eine neue Partnerschaft kann sich auf den Betreuungsunterhalt auswirken

Er­lö­schen des An­spruchs bei Hei­rat

Der An­spruch auf Be­treu­ungs­un­ter­halt er­lischt voll­stän­dig, wenn der haupt­be­treu­en­de El­tern­teil ei­ne neue Part­ne­rin oder einen neu­en Part­ner hei­ra­tet. Der Un­ter­halts­an­spruch kann je­doch wie­der­auf­le­ben, wenn die neu ein­ge­gan­ge­ne Ehe ge­schie­den wird und nach die­ser Schei­dung das ge­mein­sa­me Kin­d wei­ter­hin be­treu­ungs­be­dürf­tig ist.

 

Besteht auch bei einem Wechselmodell ein Anspruch auf Betreuungsunterhalt?

Ge­setz­li­che Re­ge­lung geht von Re­si­denz­mo­dell aus

Die ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen zum Be­treu­ungs­un­ter­halt sind auf das so­ge­nann­te Re­si­denz­mo­dell zu­ge­schnit­ten, bei dem das Kind ganz über­wie­gend von ei­nem El­tern­teil be­treut wird und mit dem an­de­ren El­tern­teil re­gel­mä­ßig Um­gang hat.
Tei­len sich die El­tern nach der Tren­nung die Be­treu­ung des ge­mein­sa­men Kin­des (sogenannte ge­teil­te Be­treu­ung bzw. Wechselmodell ), stellt sich die Fra­ge nach den Aus­wir­kun­gen auf den Be­treu­ungs­un­ter­halt.

 

Mutter und Vater halten gemeinsam die sich zwischen ihnen befindende Tochter an der Hand.

Beide Eltern betreuen das Kind

We­ni­ger Ein­schrän­kun­gen bei der Er­werbs­tä­tig­keit

Be­treu­ungs­un­ter­halt kann stets nur der­je­ni­ge El­tern­teil ver­lan­gen, der sich auf­grund der Kin­des­be­treu­ung und der da­durch ein­ge­schränk­ten Er­werbs­tä­tig­keit fi­nan­zi­ell nicht selbst ver­sor­gen kann. Wenn sich die El­tern die Be­treu­ung des Kin­des tei­len, be­ste­hen we­ni­ger be­ruf­li­che Ein­schrän­kun­gen. Je­der El­tern­teil ist da­her bei ei­ner ge­teil­ten Be­treu­ung schon wäh­rend der ers­ten drei Le­bens­jah­ren des Kin­des zur Auf­nah­me ei­ner Er­werbs­tä­tig­keit an­ge­hal­ten, da ei­ne teil­wei­se Ent­las­tung durch die Mit­be­treu­ung des an­de­ren El­tern­teils be­steht. Im Ein­zel­fall ist zu ent­schei­den, in wel­chem Um­fang ei­ne Er­werbs­tä­tig­keit zu­sätz­lich zur Kin­des­be­treu­ung zu­mut­bar ist. Dies ist vor al­lem auch vom Um­fang des Mit­be­treu­ungs­an­teils des an­de­ren El­tern­teils ab­hän­gig.

Mög­li­cher An­spruch auf Be­treu­ungs­un­ter­halt im Wech­selm­odell

Kann sich ei­n El­tern­tei­l trotz der ge­teil­ten Be­treu­ung des Kin­des fi­nan­zi­ell nicht (voll­stän­dig) selbst ver­sor­gen  und sei­ne Er­werbs­tä­tig­keit auf­grund der Mit­be­treu­ung des Kin­des auch nicht wei­ter aus­bau­en, kann den an­de­ren El­tern­teil auch im Wech­selm­odell ei­ne Pflicht zur Zah­lung von Be­treu­ungs­un­ter­halt tref­fen. Es kann da­bei im­mer nur der wirt­schaft­lich schwä­cher ge­stell­te El­tern­teil un­ter­halts­be­rech­tigt sein; ge­gen­sei­ti­ge Un­ter­halts­pflich­ten be­ste­hen nicht.

Quellen & Links

Mehr zum The­ma

Hier fin­den Sie In­for­ma­tio­nen zu Quel­len der In­hal­te die­ser Sei­te und Links zu ver­tie­fen­den In­for­ma­tio­nen.

Als Quel­len wur­den un­ter an­de­rem ver­wen­det:

Gern­hu­ber, J., Coes­ter-Walt­jen, D. (2020). Fa­mi­li­en­recht. C.H.Beck.

Schäu­b­le, M. (2013). Er­werb­sob­lie­gen­heit im Be­treu­ungs­un­ter­halt. H. Gietl Ver­lag.

Wendl, P., Dose, H.-J. (2019). Das Un­ter­halts­recht in der fa­mi­li­en­rich­ter­li­chen Pra­xis. Die neus­te Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs und die Leit­li­ni­en der Ober­lan­des­ge­rich­te zum Un­ter­halts­recht und zum Ver­fah­ren in Un­ter­halts­sa­chen. C.H.Beck.

Wich­ti­ge Ge­richts­ent­schei­dun­gen: 

BGH 10.6.2015 – XII ZB 251/14 (Ver­län­ge­rung des Be­treu­ungs­un­ter­halts für Mut­ter ei­nes be­hin­der­ten Kin­des)  

BGH 18.4.2012 – XII ZR 65/10 (Ver­län­ge­rung des Be­treu­ungs­un­ter­halts aus el­tern­be­zo­ge­nen Grün­den) 

BGH 15.6.2011 – XII ZR 94/09 (Kein Al­ter­spha­sen­mo­dell bei Ent­schei­dung über Un­ter­halt für Be­treu­ung äl­te­rer Kin­der) 

Links zum The­ma:

Broschüre des Bundesministeriums der Justiz zum Eherecht mit wei­ter­füh­ren­den In­for­ma­tio­nen zu Tren­nung und Schei­dung (Stand: 2024)

Familienportal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit FAQs zum Un­ter­halts­recht

Broschüre des Bundesamtes für Justiz zur Geltendmachung von Unterhalt mit Auslandsbezug im In- und Ausland (Stand: 2021)

Die Düsseldorfer Tabelle ent­hält die ein­heit­li­chen Ent­schei­dungs­grund­sät­ze der Ober­lan­des­ge­rich­te in Un­ter­halts­sa­chen. In den Leit­li­ni­en zur Düs­sel­dor­fer Ta­bel­le fin­den sich die Grund­la­gen zur Er­mitt­lung des un­ter­halts­re­le­van­ten Ein­kom­men­s. An­de­re Ober­lan­des­ge­rich­te ver­wen­den ähn­li­che Leit­li­ni­en, die Sie über die Übersicht der FamRZ auf­ru­fen kön­nen.

Kin­des­un­ter­halt
Kin­des­un­ter­halt hat Vor­rang

Der Kin­des­un­ter­halt ist im­mer vor­ran­gig zu be­rech­nen. Der zu zah­len­de Kin­des­un­ter­halt wird bei der Be­rech­nung des Be­treu­ungs­un­ter­halts be­rück­sich­tigt. Mehr zum Kin­des­un­ter­halt er­fah­ren Sie auf fol­gen­der Un­ter­sei­te.

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Ehe­gat­ten­un­ter­halt
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Der Un­ter­halt des be­treu­en­den El­tern­teils ist bei ge­schie­de­nen El­tern ein Teil des nach­e­he­li­chen Un­ter­halts. Die Aus­füh­run­gen zum nach­e­he­li­chen Un­ter­halt fin­den da­her bei ge­schie­de­nen El­tern auch An­wen­dung beim Be­treu­ungs­un­ter­halt.

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